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Stellenwert der Misteltherapie in der integrativen Onkologie

Bericht vom International Mistletoe Meeting 2012 in Rosenfeld

In jüngster Vergangenheit entwickelten sich in zahlreichen Ländern verschiedene Therapieansätze einer integrativen Onkologie, in deren Fokus die Therapie mit Mistelpräparaten steht. Um dem wachsenden Wunsch nach einem Austausch von Konzepten und Erfahrungen Rechnung zu tragen, wurde vom 8.–12. Oktober 2012 ein erstes internationales Misteltreffen in Rosenfeld im Zollernalbkreis veranstaltet, an dem ca. 40 Ärzte aus 20 verschiedenen Ländern zusammentrafen.

In mehreren Vorträgen wurde der Stellenwert der Misteltherapie im Gesamtkonzept einer integrativen Onkologie skizziert: Angesichts der dramatischen Zunahme an Krebserkrankungen weltweit ist es von großer Bedeutung, nicht nur die antitumoralen Therapiekonzepte zu erweitern und zu optimieren, sondern sie auch individuell an den Therapiebedarf und das Lebenskonzept des einzelnen Patienten anzupassen und durch wirksamkeitsgeprüfte salutogenetische Ansätze zu ergänzen.

Prof. Dr. Leo Auerbach berichtete über die Praxis der Komplementäronkologie am Allgemeinen Krankenhaus der Medizinischen Universität Wien. Er bezeichnete die ganzheitlichen Ansätze der Komplementärmedizin als eine wirksame Ergänzung der konventionellen Medizin, die heutzutage von einer wachsenden Zahl von Onkologen in die onkologischen Therapiestrategien integriert wird. In Wien werden nur solche Methoden angewandt, die nach den Kriterien der Evidence-Based Medicine evaluiert wurden. Mistelpräparate zählen dabei zu den am besten bekannten und untersuchten Arzneimitteln. Die biologisch aktiven Inhaltsstoffe sind gut untersucht: Mistellektine, Viscotoxine, Oligo- und Polysaccharide, Flavonoide und Triterpene. In vitro zeigen bereits niedrige Dosen ausgeprägte zytotoxische, apoptoseinduzierende Wirkungen auf Krebszellen. Die Wirkung von Zytostatika wird in vitro synergistisch verstärkt.

In Tierversuchen wurden tumorhemmende und überlebensverlängernde Wirkungen dokumentiert. Außerdem stimulieren Mistelextrakte in vitro und in vivo das Immunsystem durch Freisetzung verschiedener Zytokine und ß-Endorphine. Darüber hinaus stabilisieren Mistelextrakte die DNA normaler Lymphozyten, nicht jedoch maligner Zellen. Nachweislich hat die Misteltherapie einen positiven Effekt auf die Lebensqualität bei Krebspatienten und die Reduktion von Nebenwirkungen der onkologischen Therapien. Manche Studien konnten auch einen Einfluss auf Überleben und Tumorwachstum zeigen, jedoch bedarf dies noch der Bestätigung durch größere randomisierte Studien.

Dr. Boris Müller-Hübenthal, Hämatoonkologe und Leiter des Paracelsus- Spitals in Richterswil bei Zürich, hob den Nutzen der Misteltherapie in der Verminderung der Toxizität der Chemotherapie, in der unspezifischen Immunstimulation und der beschleunigten Knochenmarkregeneration nach Zytostase hervor. Die größte Bedeutung liege allerdings in der deutlichen Verbesserung der Lebensqualität. Speziell Schmerzen und Fatigue werden reduziert und Appetit, depressive Symptome und Apathie verbessert. Viele Patienten berichten von einer wärmenden und energisierenden Wirkung der Mistel, was eine positive Lebensgestaltung und persönliche Entwicklung trotz der oft unheilbaren Erkrankung ermöglicht. Im Zentrum für integrative Onkologie in Richterswil wird die konventionelle Tumortherapie mit Hyperthermie, Misteltherapie und Kunsttherapie verbunden. Die hierbei oft zu beobachtenden ungewöhnlichen Langzeitverläufe bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren können künftig in einem Web-basierten Best-Case-Portal dokumentiert und von unabhängigen Fachleuten bewertet werden (www.bestcaseoncology. com).

Frau Dr. Marion Debus, Onkologin am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe Berlin, berichtete über Erfahrungen mit speziellen Anwendungsweisen hochdosierter Mistelpräparate in der Klinik. Speziell hob sie die eindrucksvolle Wirkung von Viscum album-Infusionen als Teil des Hydratationsprogrammes vor der Chemotherapie zur Reduktion der Nebenwirkungen (Mucositis, Neutropenie, Infektion) und zur Aufrechterhaltung der Vitalität der Patienten hervor. Eine hochdosierte Mistelinfusionstherapie eignet sich aber auch als Erhaltungstherapie nach einer palliativen Chemotherapie oder bei sehr schlechtem Allgemeinzustand anstelle einer Chemotherapie. Bei Patienten mit weit fortgeschrittener Erkrankung führte die Infusionstherapie zu einem angenehmen Wärmegefühl, gesteigerter Vitalität, Appetit- und Gewichtszunahme und einer Stabilisierung des Tumorverlaufes.

Durch hochdosierte tumornahe Anwendung kann eine Tumorrückbildung, gefolgt von einer längeren stabilen Erkrankung, erreicht werden. Dies wurde an eindrucksvollen Fallverläufen dargestellt, ebenso wie die lokale Instillation von Mistelpräparaten bei malignen Pleura- und Perikardergüssen sowie in einem Fall von malignem Aszites, die durch alleinige Mistelinstillation zur Rückbildung gebracht werden konnten.

Prof. Nam-Sun Paik, Direktor des EWHA Universitäts-Krebszentrums für Frauen in Seoul, Korea, stellte die Standards der Mammachirurgie seiner Klinik vor, zu der auch die adjuvante Misteltherapie zur Verbesserung des Immunstatus, der Lebensqualität und der Patientenzufriedenheit zählt.

Das Meeting fand bei den Teilnehmern so gute Resonanz, dass eine Folgeveranstaltung über Integrative Onkologie 2014 geplant ist.

Quelle: Praxis Magazin 12/2012     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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