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Supportiv-Therapie in der Onkologie




Die meisten malignen Erkrankungen führen zu einer Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes des Patienten und insbesondere des Immunsystems, teils durch das Tumorwachstum selbst, aber auch durch die Therapie in Form von Operationen, Bestrahlung und Chemotherapien. Letztere hemmen die Knochenmarks- und Immunaktivität und beeinträchtigen damit sowohl die humorale Abwehr (Hypogammaglobulinämie) als auch die zelluläre Abwehr (T-Lymphozyten und Helferzellen) sowie Granulopoese, Lymphopoese, Thrombopoese und Erythropoese.

Diese Faktoren führen zu einer stark erhöhten Infektanfälligkeit, einer erhöhten Sepsisgefahr und einer Beeinträchtigung des Gesamtzustandes des Organismus. Um dem zu begegnen, sind in den vergangenen Jahren zunehmend sogenannte Supportiva entwickelt worden. Wenngleich die Therapien immer gezielter werden, sind sie zugleich auch aggressiver (Polychemotherapieregime). Hierdurch werden die Anzahl der Blutzellen und die Aktivität des Immunsystems so stark reduziert und der Patient so geschwächt, dass eine schnelle „Entlastung“ unabdingbar ist.

Individualisierte Therapie

Zunehmend Patienten-individualisierte begleitende Antibiotikatherapien sowie weitere Supportiva werden deshalb immer häufiger eingesetzt (1). Eine wichtige Rolle spielen hierbei hämatopoetische Wachstumsfaktoren. Sie fördern die Regeneration des Knochenmarkes und erhöhen auf diese Weise die Toleranz gegenüber den toxischen Wirkungen der Zytostatika.

Rudolf Steiner um 1892
Rudolf Steiner um 1892
Filgrastime und Erythropoetine sorgen dafür, dass nach den einzelnen Zyklen der Chemotherapie nach Erreichen des Nadirs die Anzahl der Leukozyten und Erythrozyten rasch wieder ansteigt und so einerseits das Immunsystem wieder funktionsfähig wird, andererseits die Lebensqualität des Patienten zügig wieder ansteigt. Durch Variation von Anzahl und Länge der Polysaccharidketten kann die Wirkung in Dauer und Stärke gezielt gesteuert werden (Pegylierung). Diese Entwicklung setzte sich erst im Laufe der letzten 10 Jahre durch. Im Rahmen vieler Supportivtherapien ist ein gezieltes Vorgehen, angepasst an Zustand, Tumorentität und Art der Chemotherapie, seit mehreren Jahren Gang und Gäbe.

Vielfalt der Möglichkeiten

Weitere Arzneimittel pflanzlicher Herkunft unterstützen genau diesen Bereich des Immunsystems der Krebspatienten. Hier sind insbesondere Präparate aus der weißbeerigen Mistel (Viscum album) zu nennen. Sie reduzieren die Nebenwirkungen der Chemotherapie und verbessern die Lebensqualität der Patienten (2, 3). Mistelpräparate vermindern z. B. Leukopenie und Übelkeit und verbessern die Tumormüdigkeit (Fatigue) beträchtlich (2 bis 4). Sie können die maximal tolerierte Dosis von Chemotherapeutika, z. B. Gemcitabin, erhöhen, ohne deren Pharmakokinetik zu beeinflussen, und somit deren Effizienz in der Bekämpfung des Tumors steigern (5).

Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, vertrat bereits am Anfang des vorigen Jahrhunderts den Ansatz der individualisierten Misteltherapie, indem er unterschiedliche Mistelpräparate von verschiedenen Wirtsbäumen vorschlug. Die Wirkung gab ihm Recht. Validierte Studien berichten von deutlicher Verbesserung des Gesamtzustandes von Tumorpatienten, Fallberichte von Tumorremissionen oder gar vom völligen Verschwinden des Tumors (6).

Die Hersteller der Mistelpräparate bieten Produkte von unterschiedlichen Wirtsbäumen mit differierender Zusammensetzung an biologisch aktiven Substanzen und mit verschiedenen Konzentrationen an, so dass die Therapie individuell auf Tumorentität, Begleittherapien und Gesamtzustand abgestimmt und die Dosis gezielt auf den Therapiebedarf einjustiert werden kann.

Fazit

So stellt die Therapie mit Mistelpräparaten mit ihrem breiten Wirkungsspektrum eine wertvolle und sinnvolle Ergänzung in der Supportiv-Therapie und damit ein wichtiges Standbein der individualisierten Tumortherapie dar.


Quellen:
  1. Link et al.: Supportivtherapie bei malignen Erkrankungen. Deutscher Ärzte-Verlag 2006
  2. Tröger: Onkologie 33, suppl 2, 2010, 34
  3. Piao et al.: Anticancer Research 24, 2, 2004, 303-310
  4. Kienle et al.: Integr Cancer Therapies 9,2, 2010, 142-157
  5. Mansky et al: J Clin Oncol 28, suppl 15, 2010, 2559
  6. Kienle et al.: Eur J Med Res 12, 2007, 103-119


Quelle: Praxis Magazin 7-8 / 2012     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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