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So sind Mistelpräparate verordnungs- und erstattungsfähig!




Primäres Ziel einer jeden onkologischen Behandlung ist die Zerstörung des Tumors und damit die Heilung des Patienten von der häufig mit dem Tod assoziierten Krebserkrankung. Bei einem Tumor des Stadium I kann dieses Ziel bei einer R0-Resektion auch mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit für einen langen Zeitraum erreicht werden. Aber wie sehen die Heilungschancen bei weiter fortgeschrittenen Tumoren aus? Kann auch in diesen Fällen von einer kurativen Therapie ausgegangen werden? Eine Expertenkonferenz unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für integrative Onkologie e. V. kam Ende August diesen Jahres zu dem eindeutigen Ergebnis, dass der Übergang zwischen der kurativen und der palliativen Tumortherapie fließend ist. Folglich sind viele Krebserkrankungen bereits chronisch, obwohl nach wie vor von einem kurativen onkologischen Ansatz gesprochen wird.

Trotz kurativer, operativer Behandlung und adjuvanter leitliniengerechter Therapie kommt es bei einem Mammakarzinom relativ häufig zu Rezidiven (5 bis 10 % lokal, 20 % Thoraxwand), so die Experten in ihrem Konsenspapier. Dabei ist das Risiko für die Entwicklung eines Rezidivs nach einem Mammakarzinom gerade in den ersten beiden postoperativen Jahren am höchsten. Diese Frührezidive haben im Allgemeinen eine schlechte Prognose und sind selten kurativ behandelbar.

Rezidivraten bei Bronchial- und Ovarialkarzinom

10 bis 14 Prozent der Patienten mit einem kleinzelligen Lungenkarzinom weisen bei Diagnosestellung bereits Metastasen im Zentralnervensystem auf. Dabei sind Hirnmetastasen deutlich häufiger als eine leptomeningeale oder eine spinale Metastasierung. Beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom kommt es bei alleiniger Tumorresektion mit mediastinaler Lymphknotendissektion bereits im Stadium I bei 6 bis 10 Prozent und im Stadium II bei 25 bis 35 Prozent der Patienten zu intrathorakalen Rezidiven. Noch schlechter ist die Datenlage für das primäre Ovarialkarzinom. Auch nach einer zytostatischen Kombinationstherapie aus sechs Zyklen Carboplatin und Paclitaxel, welche seit 2003 Standard in der Primärtherapie ist, treten bei mehr als der Hälfte der Patientinnen Rezidive auf.

Folgen eines Rezidivs für den Patienten

Wie zerrissen muss sich erst ein Patient fühlen, der seinen Krebs besiegen will und eventuell trotzdem relativ früh mit der Diagnose Rezidiv konfrontiert wird. Ist es also nicht sinnvoller, bei prognostisch schlechteren Krebserkrankungen direkt von einer chronischen Erkrankung zu reden, die nicht mehr kurativ behandelbar ist? Die große Mehrheit der Patienten kann durchaus mit der Tatsache umgehen, an einer Krebserkrankung zu leiden, die nicht mehr heilbar ist, aber auch nicht gleich zum Tode führt. In diesem Zusammenhang spricht man von einer palliativen Tumortherapie, deren Ziel es nicht ist, das Überleben um jeden Preis zu verlängern, sondern insbesondere die Lebensqualität zu steigern. Diese Art der Therapie ist nicht gleichzusetzen mit der Palliativmedizin, die ausschließlich auf die Symptomlinderung zielt und sich in vielen Fällen auf die Schmerztherapie beschränkt.

Einsatz der Misteltherapie bei chronischen Krebspatienten

Insbesondere beim Aspekt der Lebensqualität ist es seit langem die Misteltherapie, die Patienten helfen kann. Bestehen zudem Zweifel, dass der Patient noch geheilt werden kann, liegt in der Regel keine kurative Therapie mehr vor. In diesem Fall können anthroposophische Mistelpräparate wie Helixor oder Iscucin nach §12 Abs. 6 der Arzneimittelrichtlinie auf Kassenrezept verordnet werden, da das Bundessozialgericht in seiner Urteilsbegründung ausgeführt hat, dass ausschließlich eine kurativ-adjuvante GKV-Verordnung dieser Präparate nicht mehr möglich sein soll. Doch selbst in medizinisch begründeten Einzelfällen kann bei kurativ-adjuvanten Therapien zu Lasten der Krankenkasse verordnet werden. Diese Möglichkeit wird durch §31 Abs. 1 SGB V eröffnet. Wie die BEK / GEK in ihrem aktuellen Schreiben mitteilt, muss die Verordnung auf Kassenrezept erfolgen. Eine Genehmigung seitens der Krankenkasse scheidet aus; vielmehr ist die medizinische Notwendigkeit in der Patientenakte zu dokumentieren.

Resümee

Bestehen begründete Zweifel, dass der Krebspatient geheilt werden kann oder liegen bereits Rezidive vor, kann in der Regel, genauso wenig wie bei einem inoperablen oder metastasierenden Tumor, von einer kurativen onkologischen Therapie ausgegangen werden. In diesen Fällen zielt die medizinische Therapie vor allem auf den Erhalt der Lebensqualität. In diesen Situationen kann der Kassenarzt auch nach dem aktuell veröffentlichten Bundessozialgerichtsurteil anthroposophische Mistelpräparate weiterhin zu Lasten der Gesetzlichen Krankenkassen verordnen. Dies gilt auch in medizinisch begründeten Einzelfällen im Rahmen einer kurativ-adjuvanten Tumortherapie, wenn zum Beispiel die Prognose schlecht und die Gefahr eines Rezidivs hoch ist.



Quelle: Praxis Magazin 12 / 2011 - 1 / 2012     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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