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Drohen Rationierungen im Gesundheitswesen durch pharmakoökonomische Betrachtungen?




Nicht erst seit der Verabschiedung des Arzneimittelneuordnungsgesetzes (AMNOG) Anfang diesen Jahres werden ökonomische Gesichtspunkte in der medizinischen Versorgung von Patienten immer heftiger diskutiert, zumal die Kosten gerade für sogenannte innovative Arzneimittel nahezu explodieren. Doch haben Medizin und Ökonomie überhaupt irgendetwas gemeinsam? Während das Ziel der Medizin die Heilung oder zumindest die Linderung einer Krankheit ist und Kosten nur sekundär eine Rolle spielen sollten, zielt die Ökonomie auf die Wirtschaftlichkeit einer medizinischen Behandlung, wodurch eine zeitgemäße Behandlung und damit der medizinische Fortschritt scheinbar in Frage gestellt wird.

Die Pharmakoökonomie kann als einzige Wissenschaft Fakten liefern, um die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis von Arzneimitteln zu beantworten. Allen Vorgehensweisen ist dabei gemeinsam, dass die umfassende Ermittlung der Kosten einer Arzneimitteltherapie in Geldeinheiten erfolgt. Allgemein werden dabei direkte und indirekte Kosten voneinander unterschieden. Direkte Kosten sind zum Beispiel Arzneimittel- oder Applikationshilfekosten, aber auch die Arbeitszeit des medizinischen Personals. Indirekte Kosten sind demgegenüber Produktivitätsverluste am Arbeitsplatz durch verminderte Arbeitsfähigkeit oder Erwerbsfähigkeit. Unterschiede zwischen den verschiedenen Ansätzen pharmakoökonomischer Studien basieren folglich ausschließlich auf den differierenden Bewertungsmaßstäben für die Ergebnisse des Medikamenteneinsatzes.

Pharmakoökonomische Vorgehensweisen

Die einfachste Analyse stellt bei gleichwertigen Therapieoptionen die Kosten- Minimierungsanalyse dar, da in diesem Fall ausschließlich die unterschiedlichen Kosten der Therapien miteinander verglichen werden müssen. Schwieriger wird es bei der Kosten-Effektivitätsanalyse, dem bekanntesten Verfahren der Pharmakoökonomie. In diesem Fall wird die Wirkung einer Therapie den Kosten gegenübergestellt. Dabei wird das therapeutische Ergebnis nicht monetär, sondern als klinische Größe, z. B. gerettetes Lebensjahr, ausgewiesen. Folglich lässt sich die therapeutische Option identifizieren, die pro Einheit einer vorher zu definierenden klinischen Größe die geringsten Kosten aufweist. Allerdings werden mit diesem Verfahren ausschließlich quantifizierbare klinische Parameter untersucht und bewertet. Qualitative Komponenten, wie zum Beispiel die Lebensqualität des Patienten, bleiben außen vor. In der Onkologie spielen aber gerade diese Komponenten eine mitentscheidende Rolle bei der Behandlung der Krebspatienten und so ist es nur folgerichtig, in diesem Zusammenhang den Fokus auf das qualitätsadjustierte Überleben zu legen.

Dies geschieht im Rahmen der sogenannten Kosten-Nutzwert-Analyse, welche eine Weiterentwicklung der bereits beschriebenen Kosten-Effektivitätsanalyse ist und einen Wirtschaftlichkeitsvergleich unter Berücksichtigung der Lebensqualität erlaubt. Allerdings ergibt sich die Schwierigkeit der Nutzwertermittlung, da die Nutzenempfindung stark subjektiv geprägt ist und es kein allgemein anerkanntes Verfahren zur Messung der Nutzwerte gibt. Außerdem bleibt nach wie vor das Problem, dass die Outputgrößen nicht monetär gemessen werden. Dieses bleibt der sogenannten Kosten-Nutzen-Analyse vorbehalten. Mit dieser Analyse wird eine einfache Subtraktion, Nutzen minus Kosten, möglich, die anschließend zu einem klaren ökonomischen Votum führt. Die Kosten-Nutzen-Analyse stellt somit die ökonomisch umfassendste Form der Wirtschaftlichkeitsanalyse dar, zumal auch eventuell Nebenwirkungsrisiken mit einfließen. Allerdings ist die monetäre Bewertung von Nutzenkomponenten schwierig und teilweise umstritten, aber in der Summe notwendig, da nur monetäre Größen real verglichen werden können.

Resümee und Ausblick

Bei genauerer Betrachtung ist zu erkennen, dass es der Ökonomie, bei allen Schwierigkeiten der pharmakoökonomischen Analysen, in keiner Weise um Rationierung, sondern um Rationalisierung zum Wohle aller Patienten geht. Denn „nur“ die Wirksamkeit eines Arzneimittels kann in Zeiten von Kostenbeschränkungen und Einnahmenrückgängen in den Gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr alleine für eine Verordnung ausreichen. Rationalisierung ist jedoch nicht gleichzusetzen mit Begrenzung, Einsparung oder Kürzung, sondern bedeutet viel mehr eine Effizienzsteigerung, d. h. den gleichen Effekt mit weniger Ressourcen oder einen größeren Effekt mit den gleichen Mitteln zu erreichen. Denn nur dann können auch wirklich alle Patienten vom medizinischen Fortschritt profitieren, ohne, dass das Gesundheitswesen selbst zu seinem größten Patienten wird.



Quelle: Praxis Magazin 9 / 2011     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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