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  Konsensuskonferenz

Mistelpräparate unter pharmakoökonomischen Gesichtspunkten



Die Pharmakoökonomie, ein Teilgebiet der Gesundheitsökonomie, bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Medizin und Wirtschaft. Sie liefert valide Daten für rationale und ethisch belastbare Entscheidungen. Dabei folgen die Analyseverfahren immer demselben Muster: Welche Kosten fallen für eine therapeutische Maßnahme an und welcher medizinische Nutzen resultiert daraus. Pharmakoökonomische Analyseverfahren (Kosten-Effektivitäts-, Kosten-Nutzwert- oder Kosten-Nutzen-Analysen) sind folglich entscheidende Instrumente, um den wirtschaftlichen Nutzen medizinischer Verfahren nachzuweisen. Auf der Kostenseite werden dabei direkte von indirekten Kosten unterschieden. Direkte Kosten sind zum Beispiel Arzneimittel- oder Applikationshilfekosten, aber auch die Arbeitszeit des medizinischen Personals. Indirekte Kosten sind demgegenüber Produktivitätsverluste am Arbeitsplatz durch verminderte Arbeitsfähigkeit oder Erwerbsunfähigkeit.

Ökonomische Aspekte spielen gerade in der Onkologie eine zentrale Rolle, da unter anderem durch moderne Arzneimittel (z. B. onkologische Biologika) dem Gesundheitswesen hohe Kosten entstehen. In diesem Zusammenhang legen Studien und klinische Erfahrungen die Aussage nahe, dass der begleitende Einsatz von Mistelpräparaten sowohl ökonomisch als auch medizinisch sinnvoll ist, so das zentrale Ergebnis einer interdisziplinären Konsensuskonferenz unter der Moderation von Prof. Ulrich Borchard in Frankfurt am Main.

Eine leitliniengemäße Dosierung der Chemotherapeutika kann aufgrund der unerwünschten Arzneimittelwirkungen häufig nicht durchgeführt werden. Allerdings können diese Nebenwirkungen durch eine begleitende Misteltherapie reduziert werden, wodurch die leitliniengemäße Dosierung der Chemotherapie aufrechterhalten werden kann. Darüber hinaus konnten aktuelle Studienergebnisse mit HELIXOR® belegen, dass die Dosierung einer Standardchemotherapie erhöht werden kann. Negative Interaktionen mit onkologischen Standardtherapeutika konnten nicht nachgewiesen werden. Insgesamt sind Patienten unter einer Misteltherapie wahrscheinlich mobiler und leistungsfähiger und weisen in der Summe geringere Krankenhausaufenthalte auf. Dadurch können sowohl direkte als auch indirekte Kosten eingespart werden.

Expertenkonferenz „Pharmakoökonomie“


Präambel

Aktuell erkranken allein in Deutschland jedes Jahr ca. 450.000 Menschen neu an Krebs, mit steigender Tendenz. Im Jahr 2008 betrugen die direkten Arzneimittelkosten (onkologische Präparate) ca. 3,4 Mrd. Euro (1, 2), wobei die gesamten Behandlungskosten um ein Vielfaches höher sein dürften. Durch die modernen Therapieverfahren (insbesondere Biologika / „small molecules“) droht dem Gesundheitswesen in Deutschland eine erhebliche Zunahme der Arzneimittelkosten. Eine pharmakoökonomische Evaluierung könnte die Kosten-Nutzen-Relation der angewendeten onkologischen Verfahren transparenter machen. Dabei ist die Einbeziehung von medizinischen und volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll.

Thesen
  1. Die Abnahme der Mortalität bei onkologischen Erkrankungen ist vor allem einer verbesserten Früherkennung zuzuschreiben. So wird der Diagnosezeitpunkt deutlich nach vorn verlagert und das dadurch verlängerte Überleben bleibt eine rechnerische Größe, die nicht aus onkologisch- therapeutischen Maßnahmen resultiert.
  2. Trotz der Anwendung onkologischer Standardtherapien ergibt sich für Krebspatienten mit soliden Tumoren eine nur geringe chemotherapiebedingte Lebenszeitverlängerung. Hier konnten die Rezidivraten in den adjuvanten Therapieregimen im Durchschnitt um 10 bis 30 % gesenkt werden. So entwickelt sich z. B. bei 10 bis 20 % aller Mammakarzinom-Patientinnen nach einer solchen Therapie innerhalb von 10 Jahren ein Rezidiv. Bei Ovarialkarzinomen liegt die Rezidivrate sogar bei 50 bis 60 %.
  3. Viele onkologische Behandlungen sind primär palliativ, in dieser Situation spielt die medikamentöse Therapie oft die wichtigste Rolle.
  4. Insgesamt wurden für sogenannte onkologische Biologika ca. 2,4 Mrd. Euro im Jahr 2010 ausgegeben. Bei Therapiekosten von ca. 30 bis 70 Tsd. Euro pro Patient ergeben sich Lebenszeitverlängerungen von nur wenigen Tagen bis zu einigen Wochen.
  5. Die Ergebnisse aktueller Studien nach den Kriterien von Good clinical practice belegen für das Mistelpräparat HELIXOR® eine Verbesserung der Lebensqualität von Tumorpatienten in allen Phasen der manifesten Erkrankung und die Reduktion Chemo- und / oder Strahlentherapieassoziierter Nebenwirkungen.
  6. Bei zahlreichen Patienten kann eine leitliniengemäße Dosierung der Chemotherapeutika aufgrund ihrer Nebenwirkungen nicht realisiert werden. Studien mit HELIXOR® zeigen, dass durch die begleitende Misteltherapie die Nebenwirkungen reduziert und dadurch bei Chemotherapie die Dosierung aufrechterhalten oder sogar erhöht werden kann (3, 4).
  7. Mistelpräparate weisen in bisherigen Untersuchungen keine negativen Interaktionen mit onkologischen Standardtherapeutika auf, vielmehr reduzieren sie deren Nebenwirkungen, was zu verminderten Behandlungskosten dieser Nebenwirkungen führen kann.
  8. Es gibt Hinweise, dass Patienten, welche begleitend eine Misteltherapie erhalten, weniger stationäre Krankenhausaufenthalte aufweisen, insgesamt mobiler, leistungsfähiger sind und eine höhere Alltagskompetenz haben (5, 6).
  9. Bei der pharmakoökonomischen Evaluation müssen auch indirekte Kosten, wie der Verlust an Ressourcen infolge von Morbidität, bewertet werden. So ergab eine pharmakoökonomische Studie bei Mammakarzinom-Patientinnen eine misteltherapieassoziierte Reduktion nicht nur der direkten, sondern auch der indirekten Folgekosten (7).
  10. Die Misteltherapie ist eine einfache, risikoarme, in der Regel durch niedergelassene Ärzte durchzuführende Behandlung.

Ausblick

Im Rahmen der Versorgungsforschung sollten Patienten unter Alltagsbedingungen untersucht werden, um den klinischen und pharmakoökonomischen Nutzen von Mistelpräparaten zu bewerten.


Quellen:
  1. Hoffmann F., Glaeske G., Windt R.; Zytostatikarezepturen in der ambulant- ärztlichen Versorgung; Der Onkologe 17: 55-60 (2011).
  2. Paffrath D., Schwabe U; Arzneimittelverordnungsreport 2009, Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2009.
  3. Piao B. K. et al.; Impact of Complementary Mistletoe Extract Treatment on Quality of Life in Breast, Ovarian and Non-small Cell Lung Cancer Patients. A Prospective Randomized Controlled Clinical Trial; Anticancer Research 24: 303-310 (2004).
  4. Mansky P. J. et al.; NCCAM/NCI phase I study of mistletoe extract and gemcitabine in patients with advanced solid tumors; Onkologie 31: 200S, 2008; J ClinOncol 28: 15S, 2010.
  5. Matthes H., Friedel W. E., Bock P. R., Zänker K. S., Molecular Mistletoe Therapy: Friend or Foe in Established Anti-Tumor Protocols? A Multicenter, Controlled, Retrospective Pharmaco-Epidemiological Study in Pancreas Cancer, Current Molecular Medicine 10: 430-439 (2010).
  6. Friedel WE, Matthes H, Bock PR, Zanker KS. Systematic Evaluation of the Clinical Effects of Supportive Mistletoe Treatment within Chemoand/ or Radiotherapy Protocols and Long-Term Mistletoe Application in Nonmetastatic Colorectal Carcinoma: Multicenter, Controlled, Observational Cohort Study. J Soc Integr Oncol 2009;7:137-45.
  7. Schöffski et al., Vergleichende Kostenanalyse der Nachsorge bei Mammakarzinom, Deutsche Zeitschrift für Onkologie 41: 119-125 (2009).



Quelle: Praxis Magazin 07 / 2011     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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