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Wirksamkeitssteigerung von Gemcitabin durch Mistelextrakte



Krebsmetastasen in der Leber <br>Abb.: National Cancer Institute</br>
Krebsmetastasen in der Leber
Abb.: National Cancer Institute
Gerade bei der chemotherapeutischen Behandlung der Krebspatienten wird die additive Gabe eines Mistelpräparates seit Jahren sehr emotional diskutiert. Die Meinungen hierzu gehen weit auseinander. Einige Ärzte raten zum sofortigen Einsatz eines Mistelpräparates ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung, andere lehnen dieses ab. Die Kritiker vermuten eine mögliche Interaktion des Mistelextraktes mit dem Chemotherapeutikum, die die Wirksamkeit der konventionellen Therapie reduzieren könnte. Ob dies so ist, wurde in einer Studie in den USA vom National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) in Zusammenarbeit mit dem National Cancer Institute (NCI) untersucht. Als Mistelpräparat wurde HELIXOR® A ausgewählt, das als einziges Mistelpräparat eine sogenannte Investigational New Drug (IND)-Zulassung in den USA besitzt.

In dieser Phase I-Studie wurden die Verträglichkeit und Wirksamkeit einer Kombination von Gemcitabin und Mistelextrakten, auch gerade im Hinblick auf eine Wirksamkeitsverbesserung der Chemotherapie, untersucht. Ziel war die Ermittlung der maximal tolerablen Dosis (MTD) und die Untersuchung der möglichen Interaktionen. Die Patienten litten alle an einer Krebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium. 17 Patienten hatten ein kolorektales, 12 ein Mamma-, 10 ein Pankreas- und 5 ein nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom. Mit Ausnahme des kolorektalen Karzinoms ist Gemcitabin bei all diesen Tumorentitäten für die Monotherapie im fortgeschrittenen Krebsstadium zugelassen.

Studiendesign

Die Studie wurde in zwei Abschnitten durchgeführt. Im ersten Abschnitt wurde eine konstante Gemcitabin-Dosis von 750 mg / m2 Körperoberfläche verabreicht, während die HELIXOR®- Dosis bis 250 mg bzw. bis zur maximal tolerablen Dosis gesteigert wurde. Die HELIXOR® A-Therapie begann eine Woche nach der ersten Gemcitabin- Infusion mit einer Dosis von 1 mg. Anschließend wurde die Dosis von Woche zu Woche erhöht. Entsprechend den Vorgaben des Studienprotokolls erhielten die ersten Patienten eine Enddosis, die weit von der MTD-Dosis des Mistelpräparates entfernt scheint. Erst bei guter Verträglichkeit dieser Dosis wurde die Enddosis für die nächsten Patienten schrittweise weiter gesteigert. Im Laufe der Studie trat keine dosislimitierende Toxizität auf, so dass eine Dosissteigerung bis 250 mg möglich war. Diese Dosis wurde mit Abschluss des ersten Abschnittes als „maximal tolerable Dosis“ definiert.

Im zweiten Abschnitt wurde bei einer konstanten HELIXOR® A-Dosierung von 250 mg die Gemcitabindosis von 900 mg / m2 bis maximal 2.246 mg / m2 bzw. bis zur MTD gesteigert.

Ergebnisse

Unter der konstanten Dosierung des Mistelextraktes konnte Gemcitabin bis 1.300 mg / m2 problemlos gesteigert werden. Erst bei einer Gabe von 1.560 mg / m2 traten dosislimitierende Toxizitäten auf, die alle auf die Gabe von Gemcitabin zurückzuführen sind. Somit konnte durch die Zugabe von HELIXOR® A Gemcitabin um 30 % höher dosiert werden als normalerweise üblich. Diese höheren Dosen lassen bei gleich guter Verträglichkeit eine höhere antitumorale Wirksamkeit erwarten. Zwar ist der erzielte klinische Benefit von 48 % nicht statistisch abgesichert, aber als Trend sehr deutlich. Diese Aussage wird noch verstärkt, wenn man bedenkt, dass Patienten mit kolorektalem Karzinom im Allgemeinen auf Gemcitabin schlecht ansprechen.

Ein überaus positives Ergebnis ist die Tatsache, dass die Zahl der Neutrophilen – die unter Gemcitabin gewöhnlich stark abfallen, was mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden ist – einen Trend zu einem Anstieg zeigten. Außerdem bleiben die Plasmazytokinkonzentrationen (TNFα, IL-12, IL-6, IFNγ) im Wesentlichen unbeeinflusst, was für den Erhalt der Immunkompetenz trotz Gemcitabin-Therapie durch die Zugabe von HELIXOR® A spricht.

Schlussfolgerung

Gemcitabin wird durch Zugabe von HELIXOR® A in seiner Wirksamkeit nicht beeinträchtigt: Im Gegenteil, es können bei guter Verträglichkeit um 30 % höhere Dosen als üblich verabreicht werden, was für die Möglichkeit einer erhöhten Effektivität der Chemotherapie durch Zugabe von HELIXOR® spricht. Auch die Verträglichkeit der Chemotherapie kann verbessert werden, gerade im Hinblick auf hämatologische Komplikationen (Neutropenie).

Literatur:
Mansky, P.J. et al.: NCCAM / NCI phase I study of mistletoe extract and gemcitabine in patients with advanced solid tumors. J Clin Oncol 28: 15S, 2010 (suppl; abstr 2559)



Quelle: Praxis Magazin 12 / 2010     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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