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Apoptose-induzierende Eigenschaften von Mistelextrakten




„Die Pflanze übertrifft als Chemiker bei weitem alles, was von Menschenhand bis in die überschaubare Zukunft synthetisiert werden kann.“
M. H. Zenk, 1982


Bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden zellabtötende Eigenschaften von Mistelextrakten beschrieben. Seit dieser Zeit wurde die Zytotoxizität dieser Extrakte vielfach nachgewiesen und analysiert. Dabei zeigten die Experimente, dass Mistelextrakte das Wachstum verschiedener Tumorzellen hemmen.


Die Zytotoxizität der Mistel kann nicht auf einen Inhaltsstoff reduziert werden

Verschiedene Mistelsubstanzen scheinen präferentiell auf unterschiedliche Zelllinien zytotoxisch zu wirken. Einige Experimente ergaben, dass die Zytotoxizität der Mistelextrakte wahrscheinlich auf das Zusammenwirken mehrerer Inhaltsstoffe zurückzuführen ist. Dabei sind die Mistellektine für einen wesentlichen Teil, nicht aber für die gesamte Zytotoxizität verantwortlich. So können neben dem Vorliegen weiterer zytotoxischer Mistelinhaltsstoffe auch Wechselwirkungen zwischen den Inhaltsstoffen für die zytotoxische Gesamtpotenz verantwortlich sein. Folglich weist der Gesamtextrakt eine andere, möglicherweise auch stärkere Zytotoxizität auf als die isolierten Einzelsubstanzen nach dem Prinzip: Die Gesamtwirkung ist mehr als die Summe seiner Einzelwirkungen. So konnten in zahlreichen In-vitro-Experimenten deutliche wachstumshemmende bzw. zelltötende Wirkungen von Mistelgesamtextrakten auf eine Vielzahl von Tumorzellen gezeigt werden, die durchaus mit konventionellen Zytostatika vergleichbar sind. Dabei scheint es, dass der wässrige Mistelextrakt, wie z. B. HELIXOR, an einer anderen Stelle in den Stoffwechsel eingreift als zum Beispiel die Zytostatika Methotrexat und Cytarabin.

Induktion der Apoptose

Unter Apoptose versteht man den aktiven, genetisch programmierten Zelltod, der zum physiologischen „Körper- Alltag“ gehört und unabdingbar für alle Lebensvorgänge ist. Dem gegenüber versteht man unter einer Nekrose einen chaotischen und pathologischen Tod einer Zelle, wenn diese einer plötzlichen schweren Schädigung ausgesetzt wird und anschließend autotoxisch wird. Die Zellinhalte der jetzt toxisch wirkenden Zellbestandteile werden in die Umgebung entlassen und führen dort zu heftigen Entzündungen. Eine apoptotisch sterbende Zelle behält ihre Membranintegrität, so dass die Umgebung nicht belastet wird. Heute gelten Veränderungen der Apoptoseregulation als wichtiges pathophyiologisches Prinzip bei vielen Erkrankungen. So wird auch der Fehlregulation der Apoptose bei Krebsentstehungen ein entscheidender Stellenwert zugesprochen. Die malignen Zellen können die Fähigkeit verlieren, ihren natürlichen Tod selber einzuleiten. Entweder indem die Apoptose vermindert induziert oder die Induktion vermehrt gehemmt wird. Folgerichtig wird eine therapeutische Induktion der Apoptose eine wichtige Rolle bei der Krebsbekämpfung zugesprochen. Dass Mistelextrakte die Apoptose wieder induzieren können, wurde in zahlreichen Untersuchungen hinreichend nachgewiesen. Hierauf ist zum Teil ihre Zytotoxizität zurückzuführen. Dabei ist zu beachten, dass sich aus dem Lektingehalt des Mistelextraktes die Apoptoseinduzierende Potenz nicht vorhersagen lässt. Vermutlich beeinflussen weitere Inhaltsstoffe die Fähigkeit, die Apoptose zu induzieren.

Resümee

Ein Teil der Zytotoxizität der Mistelextrakte ist auf die Induktion der Apoptose zurückzuführen, welche zum genetisch programmierten, natürlichen Tod maligner entarteter Zellen führt. Hierdurch kann die Fehlregulation der Apoptose bei Krebserkrankungen wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Literatur: G. S. Kienle, H. Kiene, Die Mistel in der Onkologie
- Fakten und konzeptionelle Grundlagen, Schattauer Verlag, Stuttgart, New York, 2003.



Quelle: Praxis Magazin 9/ 2010     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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