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  Komplementär-onkologisches Management

Mistelgesamtextrakte haben hohen Stellenwert in der Onkologie



Prof. Dr. J. Beuth, Köln
Prof. Dr. J. Beuth, Köln
Die Therapie mit Mistelgesamtextrakten hat im Sinne eines multimodalen Behandlungsansatzes einen wissenschaftlich gesicherten hohen Stellenwert in der Tumortherapie. Dieses Resümee zogen Experten aus Klinik und Praxis anlässlich einer unlängst von dem renommierten Kieler H. G. Creutzfeldt-Institut durchgeführten Expertenkonferenz. Zu diesem Thema befragte das Forum Misteltherapie Prof. Beuth, Köln, Studienleiter der retrolektiven Studie mit HELIXOR® bei Mamma-Karzinom Patientinnen und Prof. Gerber, Experte für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Kiel.

Prof. Beuth, Viele Wissenschaftler und Ärzte fordern doppelblinde, prospektive und kontrollierte Studien zum Wirksamkeitsnachweis von Fertigarzneimitteln. Ist eine retrolektive Studie in ihrer Qualität vergleichbar?

Beuth: Absolut! Es gibt hervorragende Untersuchungen, die im New England Journal of Medicine (die Bibel der Wissenschaft) veröffentlicht werden. Diese Veröffentlichungen zeigen, dass retrolektive Studien oder sogenannte Kohortenstudien in der Aussagekraft völlig identisch sind mit prospektiv-randomisierte Studien. Beide Studientypen kann man folglich in ihrem Aussagewert vergleichen. Die Kohortenstudie ist dabei mehr für den Praxisbereich gedacht, während die kontrollierte Studie, also die randomisiert-kontrollierte Studie, mehr das klinische Setting umfasst.

Sie haben gerade eine retrolektive Studie zur Misteltherapie mit HELIXOR® abgeschlossen. Können Sie uns bitte die wichtigsten Ergebnisse kurz zusammenfassen.

Beuth: Die Studie wurde mit Mamma-Karzinom-Patientinnen durchgeführt. Als wichtigstes Ergebnis zeigte sich, dass die Lebensqualität dieser Patientinnen bei einer bis zu 5 Jahren andauernden Behandlung mit Mistelextrakt signifikant verbessert wurde. Dabei wurde die Misteltherapie nach der Durchführung der tumordestruktiven Maßnahmen dokumentiert. Interessanterweise wurde die Lebensqualität mit zunehmender Behandlungsdauer gegenüber der Kontrollgruppe weiter gesteigert. Folglich lässt sich mit Hilfe der Misteltherapie über einen langen Zeitraum hinweg die Lebensqualität bei Brustkrebspatientinnen signifikant verbessern.

Prof. Dr. W.-D. Gerber
Prof. Dr. W.-D. Gerber
Welchen Stellenwert wird diese Studie unter den schon vorhandenen Mistelstudien haben und wie grenzt sie sich von anderen epidemiologischen Kohortenstudien mit Mistelpräparaten ab?

Beuth: Es gibt etliche ähnliche Studien zur Misteltherapie. Dabei ist allerdings zu beachten, dass diese Studien vor allem während der Chemo- und Strahlentherapie durchgeführt wurden. Somit ist die vorliegende Studie die erste retrolektive Studie, die aufzeigt, dass die Misteltherapie nach der Durchführung der tumordestruktiven Maßnahmen bestimmte Nebenwirkungen bei Mamma-Karzinom-Patientinnen signifikant reduziert und somit die Lebensqualität steigert. Im Konzept der Misteltherapie konnte so ein weiterer Baustein hinzugefügt werden.

Prof. Gerber, Die Lebenszeitverlängerung von Krebspatienten wird immer als das entscheidende Therapieziel herausgestellt – aber spielt nicht auch gerade die Verbesserung der Lebensqualität eine entscheidende Rolle?

Gerber: Das Überleben nimmt selbstverständlich für jeden Patienten eine zentrale Stellung in seinem Erleben ein. Aber genauso wichtig ist es für ihn auch die Nebenwirkungen, wie Übelkeit und Schmerzzustände während einer Chemotherapie auf ein erträgliches Maß vermindert zu bekommen. Auch hofft der Patient darauf, relativ frühzeitig wieder in sein gewohntes familiäres Umfeld zurückzufinden, um seine Alltagskompetenz zurückerlangen – er möchte seine alltäglichen Dinge wieder selbst erledigen können. Das sind für ihn wichtige Merkmale der Lebensqualität.

Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang eine psychoonkologische Betreuung von Krebspatienten und warum?

Gerber: Die Krebserkrankung läuft unter psychologischen Gesichtspunkten gesehen in verschiedenen Stadien ab. Das heißt, jeder Mensch der davon betroffen ist, ist zunächst einmal geschockt, er leugnet die Erkrankung, will es nicht wahrhaben. Nach Abklingen dieser Schockphase erlebt der Erkrankte Widerstand und Zorn. Der Patient ist wütend auf die Ärzte, die die Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt haben. Verhandeln und Depressionen folgen und schließlich kann es bei manchen Menschen zur Akzeptanz kommen. In all diesen Phasen ist eine frühzeitige psychoonkologische Betreuung und Therapie wichtig. Gerade in der psychoonkologischen Therapie gibt es Ansätze, die das oftmals anzutreffende Grübeln dieser Patienten vermeiden bzw. verändern können. Diese Ansätze sind fester Bestandteil der kognitiven Verhaltenstherapie.

Was kann ein Krebspatient zum Beispiel neben der Misteltherapie ansonsten noch tun, um seine Lebensqualität zu verbessern?

Gerber: Aus der psychologischen Forschung ist bekannt, dass die soziale Unterstützung des Patienten („social support“) im Rahmen einer Krebsbehandlung von besonderer Bedeutung ist. Es geht vor allem darum, dass die familiäre und soziale Einbindung des Patienten aufrecht erhalten bleibt. Die Patienten sollen nicht ihr Leben verändern, sondern das verfolgen, was sie auch vor der Erkrankung geplant hatten. Sie sollen ihre Alltagskompetenz leben und zum Beispiel einen geplanten Urlaub nach Abschluss der onkologischen Therapie auch durchführen. Außerdem sollten die Patienten lernen mit Belastungsfaktoren (wie z. B. Stress) anders als bisher umzugehen. Hier bieten sich Stressbewältigungsprogramme an. Viele Patienten ziehen sich aufgrund ihrer schweren Erkrankung mehr und mehr (sozial) zurück weil sie insbesondere im Umgang mit Mitmenschen unsicher geworden sind. Eine Möglichkeit, soziale Aktivitäten zu fördern und wieder aufzubauen, ist die Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe.



Quelle: Praxis Magazin 6 / 2007     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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