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Neue Therapiemöglichkeiten des inoperablen Pankreaskarzinoms mit Mistelgesamtextrakten




Bei der Behandlung onkologischer Erkrankungen hat die Misteltherapie in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert. In der Regel werden die Arzneimittel, entsprechend ihrer Zulassung, subcutan appliziert. Doch aufgrund des dualen Wirkmechanismus der Mistel mit ihrer zytostatisch/zytotoxischen und immunstimulierenden/ immunmodulierenden Eigenschaft stellt sich die Frage, ob die Effizienz der Misteltherapie nicht durch eine Änderung der Applikationsform noch gesteigert werden kann. Im Rahmen einer Pilotstudie am Gemeinschaftskrankenhaus in Havelhöhe wurden 14 Pankreaskarzinompatienten intratumoral mit dem Mistelpräparat HELIXOR® M behandelt. Bei 92 % der Patienten zeigte sich ein lokales Ansprechen bzgl. Tumorreduktion, eine Verlängerung der Überlebenszeit und eine Erhöhung der Lebensqualität.

Das Pankreaskarzinom gehört zwar nicht zu den häufigen Krebserkrankungen, hat jedoch eine sehr schlechte Prognose. So beträgt die kumulative 5-Jahresüberlebensrate für alle Pankreaskarzinomstadien 6.4 % für Männer und 7.6 % für Frauen. Die 5-Jahresüberlebensrate für alle UICC-Stadien von Krebserkrankungen (Union internationale contre le cancer), die nicht im gesunden Gewebe entfernt werden konnten, liegt sogar bei nur < 1 %, die mittlere Überlebenszeit beträgt 4-6 Monate. Diese Tatsachen belegen die deutlich limitierten Erfolge der evidenzbasierten Standardtherapie bei der Behandlung des Pankreaskarzinoms. Hier kommen neben der Gemcitabin-Monotherapie auch andere Polychemotherapien zum Einsatz.

Aus vielfältigen Studien ist bekannt, dass die Misteltherapie im Rahmen integrativer Therapiekonzepte begleitend zur Chemotherapie insbesondere einen positiven Effekt auf die Lebensqualität der Patienten hat, die chemotherapiebedingten Nebenwirkungen signifikant reduzieren und die Krankenhausaufenthalte insgesamt verkürzen kann.

Intratumorale Misteltherapie beim inoperablen Pankreaskarzinom (Pilotstudie)

In einer Pilotstudie zur intratumoralen Anwendung von HELIXOR® M wurden 14 inoperable Pankreaspatienten mittels endosonographisch gesteuerter transgastrischer (Olympus GF UCT 140; Wilson Cook 19 G Nadel) oder sonographisch (Siemens Elegra; 0,95-1,2 mm Chiba Nadel) kontrollierter transabdominaler intratumoraler Applikation des Mistelgesamtextraktes behandelt. Die Therapie erfolgte an den Tagen 1, 3 und 5 und anschließend alle 3 Wochen. Beginnend mit 100 mg HELIXOR® M wurde die Dosierung bis auf max. 1000 mg titriert. Dabei erfolgte die Dosissteigerung in Abhängigkeit der lokalen und systemischen Reaktionen. Beim Ausbleiben eines postapplikativen Temperaturanstiegs von > 0.5°C wurde die Dosis um 100 mg weiter gesteigert. Parallel zu dieser intratumoralen Gabe erhielten 12 Patienten eine standardisiert durchgeführte Gemcitabin-Therapie (d1, d8, d15 Gemcitabin 1000 mg/ m2, d21 HELIXOR® M).

Steigerung der Überlebenszeit durch die Kombinationstherapie

Bei 57 % der Tumoren zeigte sich ein lokales Ansprechen gemäß den WHO-Kriterien und in 93 % zumindest eine Progressionsverhinderung. In 8 % aller Fälle konnte eine komplette Remission, in 50 % eine partielle Remission (Tumorreduktion > 50 %) und in 36 % ein „stable disease“ erreicht werden. Die Überlebenszeit betrug nach 3 Monaten 93 %, nach 6 Monaten 86 %, nach 9 Monaten 57 % und nach 12 Monaten 36 %. Die Lebensqualität stieg bei 86 % der Patienten intermittierend an. Lediglich 8 Patienten entwickelten Fieber > 38.5 °C bis zu maximal 24 Stunden nach erfolgter Mistelapplikation.

Schlussfolgerung

In dieser Pilotstudie konnte gezeigt werden, dass durch die Kombination einer intratumoralen Mistelapplikation mit der Gemcitabin-Standardtherapie bei inoperablen Pankreaspatienten eine deutlich höhere Ansprech- und komplette Remissionsrate gegenüber der Mono-Gemcitabintherapie erreicht werden konnte.

Diese hoffnungsvollen Ergebnisse sollten in einer künftigen Phase IIIStudie zur intratumoralen Misteltherapie des inoperablen Pankreaskarzinoms verifiziert werden. Für den Therapeuten ist zu beachten, dass die intratumorale Applikation der Mistelpräparate keine zugelassene Therapieanwendung darstellt und somit als individueller Heilversuch allein ärztlich verantwortet werden muss.

Literatur:

Matthes H, Buchwald D, Kröz M, Schad F: Integrative Therapiemöglichkeiten des inoperablen Pankreaskarzinoms, Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2008; 40; 106-110

Quelle: Praxis Magazin 12 / 2008     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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