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  Mistelgesamtextrakt Helixor

Was ist immunologisch gesichert?



Prof. G. Uhlenbruck, Köln
Prof. G. Uhlenbruck, Köln
Die immunvermittelte Tumorhemmung gilt als eines der entscheidensten Wirkprinzipien in der Krebstherapie mit dem anthroposophisch hergestellten Mistelgesamtextrakt Helixor. Zu den unterschiedlichen Effekten der verschiedenen Inhaltsstoffe auf die spezifische, aber auch unspezifische Immunantwort nimmt der Immunologe Prof. Gerhard Uhlenbruck, Köln, Stellung.

Neben den stabilisierenden und roborierenden Wirkungen ist auch die immunvermittelte Tumorhemmung ein Effekt der anthroposophischen Misteltherapie. Welches sind die Ursachen für diese Wirkungen?

Prof. Uhlenbruck: Die Krebsbekämpfung mit anthroposophisch bereiteten Mistelgesamtextrakten hat umfassende positive Effekte. Verschiedene Inhaltsstoffe modulieren sowohl das spezifische als auch das unspezifische Immunsystem über unterschiedliche Wirkprinzipien. Dabei wird generell die antitumorale Wirksamkeit der Monozyten und Makrophagen verbessert. Ferner können Mistellektin-aktivierte Monozyten auch die Zytotoxizität anderer Immunzellen, z. B. CD8+T-Lymphozyten, steigern. Daneben wird die Zytotoxizität der NK-Zellen erhöht und damit auch das Spektrum empfindlicher Tumorzellen. Während die klassische Chemotherapie proliferierende Tumorzellen vernichtet, kann eine Misteltherapie wahrscheinlich auch zu einer immunvermittelten Zerstörung, der im Körper frei zirkulierenden blanden Tumorzellen führen. In zahlreichen in-vitro Experimenten konnte zusätzlich eine deutlich proliferations-hemmende bzw. zytotoxische Wirkung von Mistelgesamtextrakten oder isolierten Einzelsubstanzen auf eine Vielzahl von Tumorzellen – vergleichbar konventioneller Zytostatika – gezeigt werden.

Vor allem die phytopharmazeutische Therapierichtung vertritt die Meinung, dass die Wirkung der Misteltherapie vor allem auf das Mistellektin zurückzuführen ist. Teilen Sie diese Auffassung?

Prof. Uhlenbruck: Zwar sind die Mistellektine, die von uns 1974 erstmals entdeckt und beschrieben wurden, die am besten untersuchtesten Inhaltsstoffe des Mistelextraktes, aber sie sind nicht für die umfassende Wirkung allein verantwortlich. Neben den immunmodulierenden und zytotoxischen Wirkungen weiterer Inhaltsstoffe (wie z. B. Viscotoxine, Vestersche Proteine, Polysaccharide, Aminosäuren und Flavonoiden), sind vor allem Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Inhaltsstoffen zu beobachten, die zu so genannten überadditiven Effekten führen. Zudem treten nach ca. 4 Wochen Mistellektin- Antikörper auf, die die Wirkung eines isolierten Mistellektinpräparates deutlich reduzieren würden. Im Gegensatz hierzu bleibt der anthroposophische Gesamtextrakt auch in Gegenwart der Mistelantikörper immunologisch wirksam. Hinzu kommt, aufgrund aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass die antimutagene und immunprotektive Mistelwirkung nur durch den Gesamtextrakt, nicht aber durch isoliertes Mistellektin erzielt werden kann.

Während einer Misteltherapie mit Gesamtextrakten kommt es immer wieder zu lokalen Hautrötungen an der Injektionsstelle. Wie hoch ist die Gefahr einer Allergie gegen die Mistelinhaltsstoffe?

Prof. Uhlenbruck: Lokal begrenzte Entzündungsreaktionen (bis 5 cm Größe) sind ein Hinweis auf eine positive immunologische Reaktion und dürfen nicht mit einer Allergie verwechselt werden, die zudem generalisiert erscheint und durch eine Dosisreduktion nicht abklingt. Die typische lokale Rötung erreicht ihre maximale Ausprägung nach 2 – 3 Tagen und bildet sich anschließend innerhalb weniger Tage wieder vollständig zurück. Ein Therapieabbruch ist medizinisch nicht gerechtfertigt. Eine Dosissteigerung sollte hingegen vorerst ausgesetzt werden. Echte allergische Reaktionen auf applizierte Mistelinhaltsstoffe kommen nur sehr selten vor. Zur Absicherung einer eventuellen Allergie muss auf Anti-Mistel-Antikörper vom Typ IgE getestet werden.

Seit 1992 tauchen immer wieder Artikel zu den möglichen Gefahren einer Misteltherapie auf. In diesem Zusammenhang wird vor allem das Argument eines potentiellen Tumorenhancement durch die Mistelbehandlung diskutiert. Wie sieht die Studienlage hierzu aus und ist der Argumentation überhaupt zu folgen?

Prof. Uhlenbruck: Dieser Vorwurf kommt aus einem kleinen Kreis von Autoren, die sich vor allem auf Experimente stützen, die erhebliche methodologische Mängel aufweisen und bis heute nicht reproduziert werden konnten. Vielmehr wird die Verträglichkeit der Misteltherapie in zahlreichen klinischen Studien als gut bis sehr gut beurteilt. Studien mit negativen Ergebnissen sind nicht bekannt. Dabei sind eventuelle Nebenwirkungen auf Mistelpräparate in der Regel mild, reversibel und überaus selten zu beobachten. Hinzu kommt, dass jede onkologische Therapie potentiell in der Lage ist, das Tumorwachstum zu stimulieren. Wenn man noch zusätzlich beachtet, dass selbst banale Eingriffe wie eine Bluttransfusion oder eine Infusion von Kochsalzlösungen ohne weiteres in der Lage sind, ein Tumorwachstum oder eine Metastasierung zu stimulieren, verwundert es um so mehr, dass gerade der Misteltherapie dieses Tumorenhancement nachgesagt wird und sowohl unter den Ärzten als auch unter den Patienten zu einer nicht nachvollziehbaren Verunsicherung führt. Hier kann man sich bereits – auch aus ethischen Gründen – schon auf wirklich eindeutige, verifizierbare Ergebnisse berufen, die zeigen, dass die Misteltherapie gefahrlos in der Praxis angewendet werden kann.

Quelle: Praxis Magazin 10 / 2007     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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