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Stellenwert der anthroposophischen Misteltherapie in der Onkologie



Dr. Harald Matthes, Berlin
Dr. Harald Matthes, Berlin
Komplementäronkologische Therapien – und hier vor allem die Misteltherapie – spielen bei der Behandlung von krebskranken Patienten eine zentrale Rolle. Trotz vieler positiver Ergebnisse aus Forschung und Praxis wird die Wirksamkeit dieser Art der Therapie von vielen Onkologen und schulmedizinisch orientierten Ärzte bezweifelt und insgesamt in Frage gestellt. Aber auch die Frage nach dem Behandlungsbeginn und der Behandlungsdauer wird zuweilen kontrovers diskutiert. Praxisrelevante Antworten auf diese Fragen zu bekommen, ist Ziel und Zweck unseres Gespräches mit Dr. Harald Matthes, Leitender Arzt, Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, Berlin.

Welche Wirkungen schreiben Sie der Misteltherapie zu?

Wir können heute, durch gute Studien abgesichert, sagen, dass die Mistelpräparate – hierbei sind besonders die Mistelgesamtextrakte der anthroposophischen Hersteller hervorzuheben – die Lebensqualität der onkologischen Patienten steigert. So konnte zum Beispiel unlängst in einer hochrangigen Studie von Piao et al. nachgewiesen werden, dass eine zur Chemotherapie begleitende Gabe von HELIXOR® A die Nebenwirkungen der Chemotherapie in beeindruckender Art und Weise reduziert und die Lebensqualität der Patienten signifikant verbessert. Durch ein systematisches Review konnte im Jahr 2003 ebenfalls nachgewiesen worden, dass die Mistel lebensverlängernd wirkt, auch wenn die Daten noch etwas unsicher sind. Wir wissen zusätzlich, dass selbst eine alleinige Monotherapie mit Mistelpräparaten die Lebensqualität von palliativen Patienten deutlich anheben kann.

Wann ist, Ihrer Meinung nach, der optimale Zeitpunkt für den Beginn einer Therapie mit Mistelgesamtextrakten?

Aus meiner Sicht sollte mit der Misteltherapie so früh wie möglich begonnen werden. Es gibt Hinweise dafür, dass eine präoperative Applikation (d. h. vor der Entfernung des Tumors) von Mistelgesamtextrakten die Metastasierung durch eine Operation reduzieren kann. Ansonsten hatte ich ja schon ausgeführt, dass gerade die begleitende Misteltherapie, z. B. mit HELIXOR®A, die Nebenwirkungen einer Chemotherapie signifikant reduziert und daher spätestens bei einer adjuvanten oder palliativen Chemotherapie zum Einsatz kommen sollte. Aufgrund der lebensqualitätsverbessernden Wirkung der Mistelgesamtextrakte können sie auch dann eingesetzt werden, wenn eine Chemotherapie nicht mehr zum Zuge kommt. Dementsprechend ist die Misteltherapie in allen Stadien der Tumorerkrankung von beträchtlicher Bedeutung. Eine größere Studie hat gezeigt, dass der Effekt auf das Überleben wie auch auf die Lebensqualität dann am größten ist, wenn die Mistel möglichst lange eingesetzt wird. Dabei gelten 3 bis 5 Jahre als ein Optimum bei einer onkologischen Erkrankung.

Kann bzw. sollte eine Misteltherapie mit anderen komplementären Therapien kombiniert werden?

Da die Mistel schon alleine einen positiven Einfluss auf die onkologische Erkrankung hat, steht sie aus meiner Sicht an der Schnittstelle von komplementärer zur konventionellen Medizin. Ich glaube insbesondere, dass die konventionelle Onkologie in der Kombination mit der Misteltherapie ihre stärkste Wirksamkeit und den größten Vorteil für den Patienten hat. Wenn also eine konventionelle Chemotherapie gegeben wird, kann durch eine gleichzeitige Mistelgabe die Nebenwirkungen der Chemotherapie hochsignifikant abgemildert und somit die Lebensqualität gesteigert werden. Aus meiner Sicht ist die Misteltherapie eine ideale Ergänzung zur konventionellen Medizin und braucht selbst keine Ergänzung durch andere komplementäre Medikamente.

Wie bewerten Sie die Misteltherapie im Hinblick auf Sicherheit und Verträglichkeit?

In Deutschland hat die Applikation der Misteltherapie eine lange Tradition. Man kann sagen, dass sie eine extrem hohe Sicherheit und keinerlei schwerwiegende Reaktionen aufweist. Insgesamt zählt die Mistel mit über 264 Millionen Applikationen pro Jahr zu den am häufigsten eingesetzten Onkologika in Deutschland. Das Auftreten von Rötungen, Juckreiz und leicht erhöhter Temperatur bei der subcutanen Applikation ist in den meisten Fällen ein erwünschter Effekt.

Und noch eine abschließende Frage: Kann in Ihren Augen die Misteltherapie mit Gesamtextrakten als Standard in der onkologischen Behandlung angesehen werden?

Der Standard einer onkologischen Therapie richtet sich nach der Möglichkeit, durch die Therapie das Leben zu verlängern oder die Lebensqualität zu verbessern. Das sind beides zwei harte Kriterien, und es ist unzweifelhaft, wie durch die HELIXOR®-Studie von Piao et al. deutlich belegt wurde, dass die Mistel die Lebensqualität von onkologischen Patienten verbessert. Aus meiner Sicht ist die Misteltherapie als ein Standard in der Onkologie anzusehen.



Quelle: Praxis Magazin 7 / 2006     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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