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Misteltherapie bei soliden Tumoren



Dr. med. H. Matthes, Berlin
Dr. med. H. Matthes, Berlin
Standardisierte Mistelgesamtextrakte sind ein wichtiger Bestandteil der evidenzbasierten komplementären Tumortherapie. Trotzdem gilt die Therapie mitunter als schwierig und die Wirtsbaumwahl teilweise als undurchsichtig. Um die Misteltherapie aus praktischer Sicht zu vereinfachen, wurde unlängst eine Expertenkonferenz unter der Schirmherrschaft der Arbeitsgemeinschaft Tumortherapie des renommierten Kieler H.G. Creutzfeldt Instituts initiiert. Im Rahmen dieser Konferenz befragten wir Dr. Harald Matthes, Ärztlicher Leiter der Medizinischen Klinik Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, zur Therapie mit Mistelgesamtextrakten.

Dr. Matthes, welches sind die Hauptwirkungen der HELIXOR®-Therapie?

Wir kennen heute im Wesentlichen zwei Wirkungen von Helixor®: einmal die Verbesserung der Lebensqualität insbesondere auch bei Chemo- oder Strahlentherapie und ferner die zytotoxische Reaktion bei einer Hochdosistherapie, durch die die Tumormasse und -größe reduziert werden kann.

Warum ist eine Standarddosierung bei der Misteltherapie nicht sinnvoll und eine schrittweise Dosiserhöhung empfehlenswert?

Bei der Misteltherapie handelt es sich um eine immunologische oder immunmodulierende Therapie. Da das Immunsystem bei den Menschen nicht einheitlich reagiert, muss mit einer niedrigen Dosierung angefangen werden, um sich sukzessive an die Dosis heranzutasten, bei der das Immunsystem entsprechend reagiert. Daher ist es empfehlenswert mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und sie langsam zu steigern, um auf diese Weise die optimale Dosierung zu finden.

Worin liegen die Unterschiede einer Dosiserhöhung mit Serienpackungen gegenüber der Dosiserhöhung mit Originalpackungen unterschiedlicher Dosierungsstufen?

Der Vorteil der Serienpackung ist, dass sie im Gegensatz zur Originalpackung unterschiedliche Dosierungen des Mistelgesamtextraktes enthält. Dadurch ist es für den Therapeuten sehr einfach, von niedrigen zu höheren Dosierungen zu kommen. Werden die Originalpackungen (8 Ampullen) mit nur einer Dosierung verschrieben, werden auch die Patienten durchgängig mehrere Wochen mit einer gleich bleibenden Dosis behandelt. Eine schnellere Dosissteigerung wird also durch die Serienpackungen erreicht.

Sind auch schon bei niedriger Dosierung immunvermittelte tumorhemmende Eigenschaften der Mistelwirkstoffe zu erwarten oder werden diese erst mit höheren Konzentrationen erreicht?

Nein, die Mistel hat auch bei niedrigen Dosierungen eine ganze Reihe von positiven Effekten. Eine positive Wirkung bei niedriger Dosierung ist die DNA-Protektion gesunder Zellen bei Chemotherapie. Durch die Misteltherapie wird hierbei ein immunologischer Schutz ausgebildet, bei dem die immunkompetenten Zellen durch die Chemotherapie bei weitem nicht so stark geschädigt werden, als wenn wir die Misteltherapie nicht begleitend einsetzen. Eine weitere positive Wirkung bei niedrig dosierter Misteltherapie ist die Stimmungsaufhellung bei Tumorpatienten, der so genannte psychotrope Effekt. Die Stimmungsaufhellung ist insbesondere wichtig bei palliativen oder fortgeschrittenen Krebserkrankungen, bei denen wir insbesondere auf die Lebensqualität achten und einen zytoreduktiven Effekt durch die Mistel eigentlich gar nicht mehr erreichen wollen.

Warum hat sich empirisch eine Differentialtherapie mit den drei Mistelunterarten (Apfel-, Tannen- und Kiefernmistel) bewährt?

Weil diese Präparate aufgrund ihrer unterschiedlichen inhaltsstofflichen Zusammensetzung verschieden sind. Bei der Auswahl der Mistelunterart geht es vor allem um die Frage, was mit der Misteltherapie erreicht werden soll. Wenn ich beispielsweise nur die Lebensqualität verbessern will und eher eine nebenwirkungsarme Therapie bevorzuge, dann hat sich die Therapie mit dem Helixor® A-Präparat sehr bewährt. Wenn dagegen forcierte und auch noch stark zytoreduktive Effekte erreicht werden sollen, ist Helixor® P aufgrund seiner Zusammensetzung und des hohen Mistellektin(III)gehalts sehr effektiv. Es hat sich auch bewährt, um Tumore zum Einschmelzen zu bringen.

Warum stellen begrenzte lokale Hautreaktionen (< 5 cm Durchmesser) und leichte Temperaturanstiege positive Patientenreaktionen auf die Gabe eines Mistelpräparates dar?

Diese Reaktionen zeigen, dass das periphere Immunsystem die Mistellektine in der Haut erkennt. Die Entzündungsreaktion ist also ein Zeichen dafür, dass die Mistel eine systemische Reaktion auslöst und wir eine gute immunologische Antwort erreicht haben. Dies zeigt sich auch darin, dass nicht nur die Temperatur absolut erhöht wird, sondern insgesamt ein circadianer Rhythmus der Temperaturkurve über den Tag erreicht wird.

Quelle: Praxis Magazin 5 / 2008     Download PDF-Download

Autoren:
Redaktion Praxis Magazin


 

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